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Mitschriebe & Notizen

In diesem Beitrag geht es um das Notizenmachen beim Lernen aus Texten und Vorträgen, sowie zur Rettung von eignen Ideen & Erinnerungen.

Wirkungsweise von Notizen auf die Behaltensleistung

Zur Erklärung der Wirkungsweise von Notizen für das Lernen dargebotener Informationen gibt es im Wesentlichen zwei Hypothesen:

  1. Die Enkodierhypothese besagt, dass schon die Anfertigung von Notizen ohne weitere Durchsicht oder Bearbeitung die Behaltensleistung verbessert. Die positive Auswirkung auf die Behaltensleistung wird damit erklärt, dass Notizenmachen zu verstärkter Aufmerksamkeit, zu vermehrter Elaboration (Assoziationen, Schlussfolgerungen, Interpretationen, generatives Lernen = In-Beziehung-Setzen neuer Lerninhalte mit bereits vorhandenem Wissen,...) der präsentierten Inhalte und zu deren vertiefter Strukturierung führt. 
    • Eingeschränkte Enkodierhypothese: Nur die bei der Informationsaufnahme notierte Information wird besser behalten.
      Die eingeschränkte Enkodierhypothese wird durch eine überzeugende Befundlage abgesichert.
    • Allgemeine Enkodierhypothese: Das Notieren bei der Informationsaufnahme verbessert grundsätzlich das Behalten der dargebotenen Information.
      Für die allgemeine Enkodierhypothese liegen dagegen weniger einheitliche, teils sogar gegensätzliche Befunde vor.
    • Entscheidend für die förderliche Wirkung des Notizenmachens ist die Qualität der durch das Notizenmachen ausgelösten Verarbeitungsprozesse.
  2. Die Externe-Speicher-Hypothese sieht den Nutzen von Notizen darin, dass sie als Ressourcen für späteres Lernen verwendet werden können. Das Lesen der eigenen Notizen hat zur Folge, dass mindestens zweimal eine Bearbeitung des betreffenden Inhalts erfolgt (Notizen = externer Speicher).
    Die positive Wirkung auf die Behaltensleistung durch die Widerverarbeitung von Notizen ist durch eine überzeugende Befundlage abgesichert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der größte Nutzen des Notizenmachens in der Möglichkeit besteht, anhand von eigenen Notizen wesentliche Inhalte zu wiederholen (externe Speicher-Funktion).

Richtiges Zuhören

Zuhören ist ein aktiver Prozess! Gute Zuhörer bereiten sich auf einen Vortrag vor, denken mit, setzen die Information zu ihrem Vorwissen in Beziehung, stellen Vorwissen infrage, suchen praktische Anwendungen und Konsequenzen. Zuhören ist keine Entspannung, sondern eine kreative Tätigkeit, die ein hohes Maß an Energie und Konzentration erfordert.

  • Seien Sie vorbereitet!
    Setzen Sie sich bereits vor dem Vortrag mit dem Thema auseinander. Formulieren Sie Fragen zum Lerninhalt. Aktivieren Sie Ihr Vorwissen zum Vortragsthema (ABC-Liste, Mind-Map, Brainstorming,...). Lesen Sie alte Notizen bzw. Überblicksliteratur nochmals durch. Versuchen Sie, das mögliche Vortragsziel des Dozenten zu erraten. Gehen Sie  [Literatur]-Hinweisen in der Vortragsankündigung nach.
  • Stellen Sie Kontakt her!
    Positionieren Sie sich so, dass Sie den Dozenten gut hören und sehen können. Auch auf die genutzten Medien (Tafel, Flipchart, Experiment,..) sollten Sie freie Sicht haben.
  • Werden Sie aktiv!
    Denken Sie mit. Ziehen Sie aus den Informationen Schlussfolgerungen. Stellen Sie Beziehungen zu Ihrem Vorwissen her. Versuchen Sie, die Vortragsphasen zu einem zusammenhängenden Ganzen zu verbinden. Suchen Sie Beispiele, Anwendungen, Veranschaulichungen aus Ihrer Lebenswelt. Erzeugen Sie (Vorstellungs-) Bilder zum Lehrinhalt.
  • Keine Ablenkung!
    Nehmen Sie während dem Vortrag keinen Kontakt zu Ihrem Nachbarn (für Rückfragen) auf, da Sie damit nicht nur ihn und andere stören, sondern auch selbst den Anschluss an den Vortrag verlieren.
    Dozenten nutzen rhetorische Mittel wie Beispiele, Vergleiche, Anekdoten, Witze usw. zur Auflockerung. Verlieren Sie dadurch nicht den Blick für die Hauptgedanken und Kernpunkte. 

Denken mit einem Stift in der Hand - Wie und was mitschreiben?

Mitschreiben erleichtert die Aufmerksamkeit (aufmerksam sein bedeutet "suchen" & "variieren" statt "fixieren" & "ruhig halten"), entlastet das Gedächtnis (externer Speicher) und stellt eine aktive Form der Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt dar. Die Informationen werden beim Mitschreiben so gegliedert und strukturiert, dass eine Erinnerung und Weiterverarbeitung des Lerninhalts zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist.

Organisation:

  • Bringen Sie immer die Notizen der Vorstunden mit, damit Sie Ihr Gedächtnis nochmals auffrischen können. Außerdem können Sie den Aufschrieb kontrollieren, falls der Dozent zu Vortragsbeginn nochmals das Wesentliche wiederholt bzw. zusammenfasst.
  • Bringen Sie auch ausgeteilte Kopien und eigenes Material (Fachliteratur, Zeitungsausschnitte,...) über das Thema zum Vortrag mit.
  • Verwenden Sie karierte Blätter im DIN A4 Format.
  • Bringen Sie genügend leere Blätter, sowie verschiedene Stifte (Bleistift, Kugelschreiber, Farbstifte, Textmarker) und Zeichenwerkzeug (Lineal, Zirkel,...) mit.
  • Notieren Sie auf jedes Blatt (Abschnitt D) den Namen des Dozenten bzw. des Faches, das Datum, die laufende Seitenzahl der betreffenden Stunde und ein prägnantes Schlagwort, also z.B. Fischer/Physik/18.12.08/Hall-Effekt/2.
  • Beschriften Sie die Blätter nur einseitig. Notieren Sie in Absätzen. Lassen Sie leeren Raum zwischen Abschnitten. Beginnen Sie bei jedem Kapitel eine neue Seite. 
  • Unterteilen Sie die Notizblätter bereits vor der Stunde durch Linien in drei Abschnitte für (A) die Notizen, für (B) Schlagworte & Zusammenfassungen, sowie für (C) später hinzugefügte eigene Gedanken und Querverweise. Der Nachteil dieser linearen Mitschriebe ist, dass Sie die Beziehungsstruktur der Teilthemen und die Gliederung nur schwer in einer übersichtlichen Form in Ihren Notizen abbilden können.
  • Die handschriftliche Erstellung von Mitschrieben in Form von Mind- bzw. Concept-Maps eignet sich nur, wenn die Vortragsstruktur klar erkennbar oder bereits im Voraus bekannt ist. Alternativ ist die Erstellung eines digitalen Mind-Maps als Mitschrieb sehr zu empfehlen, da man hier Äste schnell umordnen und Verbindungen hinzufügen und löschen kann. Zu den einzelnen Ästen lassen sich evtl. auch ausführliche Notizen & Bilder anfügen. Digitale Mind-Maps lassen sich untereinander und mit externen Dokumenten verlinken, nach Schlagwörtern durchsuchen und beliebig editieren, umordnen und erweitern. Diesen Grad an Flexibilität erreichen bei handschriftlichen Mitschrieben höchstens sehr gut trainierte Lerner.
  • Nutzen Sie Gestaltungselemente:
    • Schrift: Großbuchstaben, Schriftgröße, Nummerierungen, Aufzählungen, KaWa, Abkürzungen, Stichworte, Blöcke, Lesbarkeit, ...
    • Farbe: Zusammenhänge gleichfarbig, Farbintensität nach Wichtigkeit (z.B. gelb -> grün -> orange -> rot), schraffieren, markieren, unterstreichen, 
    • Symbole & Piktogramme: Smileys, Pfeile, Ausrufezeichen, Fragezeichen, Linien, Kreise, Rahmen, Wolken, Sprechblasen, Banner,  ...
    • Diagramme: Organigramme, Mindmaps, Cluster, Kreis- , Balken-, Säulen-, Kurven-, Fluss-diagramme, Tabellen, ABC-Listen, ...
    • Abbildungen: Karikaturen, KaGa, Skizzen, Fotos, ...
vorbereitete Blatteinteilung bei Mitschrieben
Beispielhefteintrag

Im Beispielhefteintrag (siehe Abb. rechts oben) besteht der Tafelanschrieb nur aus den Gleichungen und Klammerausdrücken im Bereich (A), ohne Pfeile, Notizen und Nebenrechnungen. Die weiteren Notizen werden vom Lernen selbst hinzugefügt. Der Tafelanschrieb wird so weit aufbereitet, bis der Lerner das Gefühl hat, dass ihm dieser Mitschrieb als Grundlage für die Vorbereitung auf eine Prüfung bzw. Klassenarbeit ausreicht.

Inhalt:

Da Sie vermutlich gleichzeitig zuhören, formulieren und aufschreiben müssen, und dabei trotzdem nicht den Anschluss verpassen dürfen, sollten zunächst versuchen, den Aufbau des Vortrags zu erfassen.

Notieren Sie "struktursuchend"!

Notieren Sie ...

  • Hauptpunkte, Überschriften, Schlagzeilen & Grundaussagen der angesprochenen Teilgebiete.
  • stichwortartig Schlüsselpunkte & Gedanken, die zu jedem Abschnitt behandelt werden.
  • stichwortartig Erklärungen & Konsequenzen zu den Grundaussagen.
  • Namen, Zahlen, Daten, die das Gedächtnis nicht genau reproduzieren kann.
  • wichtige Wörter & Fachausdrücke, über deren Bedeutung Sie sich nicht klar sind (mit Fragezeichen).
  • alle auftauchenden Fragen.
  • zeitsparend unter Verwendung von Abkürzungen und Symbolen! Nutzen Sie sowohl die "offiziellen" Abkürzungen (z.B., usw., z.T., u.U., v.l., i.d.R., ...) und Symbole (=,+, "daraus folgt" ->, "genau dann, wenn" <->, Smiley gut bzw. richtig, Smiley schlecht bzw. falsch,...), sowie Ihr eigenes Abkürzungs- & Symbolsystem.

Überarbeitung der Notizen

Gemäß der Externen-Speicher-Hypothese ist es besonders wichtig, die Notizen bald nach dem Aufnehmen zu überarbeiten, da die Behaltenskurve am ersten Tag am steilsten sinkt. Überarbeiten von Notizen dient der Klärung von Unverstandenem (www.google.de Smiley) und der Überführung des Mitschriebs in eine übersichtlichere Darstellung (durch Ergänzungen, Markierungen, Querverweise,...), die den späteren Gebrauch vereinfacht.

  • Unterstreichen Sie die Hauptpunkte und klammern sie Unwichtiges ein.
  • Ordnen Sie den Stoff in logischer Form an und finden Sie eigene Überschriften für Teilabschnitte.
  • Fügen Sie Definitionen von unklaren Wörtern und Fachausdrücken hinzu.
  • Versuchen Sie, die seitliche Kolonne (Abschnitt (B)) mit Schlagwörtern aufzufüllen.
  • Überführen Sie Ihre Notizen evtl. in eine andere Darstellungsform (Mind-Map, Concept-Map, Diagramm, Ablaufplan,...).

Journal schreiben - Ideen & Erinnerungen retten

Eine gute Übung, um Schreibblockaden zu vermeiden, um Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden, um Stichworte und Überschriften bewusst und präzise zu wählen, um assoziatives Denken zu trainieren, um seine Erinnerungen zu pflegen (vgl. Daniel Schacter: "Wir sind Erinnerung") und Altersdemenz vorzubeugen, ist das tägliche Notieren von Ideen, Ereignissen & Erinnerungen in einem Journal (Tagebuch, persönliches Lebensarchiv). Ereignisse & Sachverhalte in Worte zu fassen, ist ein wichtiger Teil des Erlebens, denn viele Erlebnisse werden erst durch Sprache "real".

  • Notieren Sie täglich ein bis zwei Ereignisse (mit Überschrift & Datum). Formulieren Sie alle Einträge so, dass auch ein Fremder sie verstehen könnte, um sicher zu gehen, dass Sie sich auch nach Jahren beim Nachlesen wieder erinnern können.
  • Notieren Sie vorwiegend Episoden, Ereignisse und Tatsachen aus Ihrem eigenen Leben, also Inhalte, die Ihrem episodischen Gedächtnis zugeordnet werden und Ihnen dabei helfen können, sich selbst besser zu beschreiben und wiederzuerkennen.
  • Blättern Sie hin und wieder durch Ihre Journaleinträge. Lesen Sie dabei nur die Überschriften und versuchen Sie, anhand dieses Abrufreizes das Ereignis zu rekonstruieren. So trainieren Sie gezielt, den Zugriff auf Ihr eigenes Wissen und Ihre Gedächtnisinhalte zu erhalten bzw. zu behalten.
  • Die Überschrift sollte das Wesentliche des Ereignisses wiedergeben, da sie beim erneuten Nachlesen als Abrufreiz dient. Je präziser die Überschrift konstruiert wurde, desto besser lässt sich das Ereignis später anhand der Überschrift wieder rekonstruieren.
  • Je intensiver die emotionale Beteiligung bei einem beschriebenen Ereignis war, desto einfacher können wir es uns langfristig merken (z.B. den ersten Kuss, die erste selbstgeplante Urlaubsreise, ...). Bei nur mäßiger emotionaler Beteiligung müssen wir unser Gedächtnis durch mehrmaliges Wiederholen immer wieder "auffrischen".
  • Legen Sie als Einstiegsübung zur Erstellung Ihres persönlichen Lebensarchivs mehrere ABC-Listen mit Themen zu Ihrem Leben an. Notieren Sie (falls möglich) hinter jeden Eintrag das zugehörige Datum.
    Starten Sie mit folgenden Themen: Kindheit & Jugend, Partnerschaft, Schule, Ausbildung, Arbeit, Feste, Reisen, Hobbys, Sonstiges,....
    Inhalte dieser ABC-Listen können
    • Namen von Menschen & Orten sein,
    • Namen von Lieblings.... sein,
    • (alltägliche & außergewöhnliche) Tätigkeiten & Handlungen sein, 
    • Ereignisse sein (z.B. der/die/das/ erste ...),
    • ....

Quellen