Textproduktion
Diese Seite gibt Tipps zur Erstellung von Hausarbeiten (GFS, FiP) & Projektdokumentationen (FüK). Basierend auf den Teilschritten des vollständigen Lernprozesses, finden Sie hier ein Ablaufschema ("Kochrezept") für die Textproduktion.
I. Sichten
1. Themenfindung
- Themensuche
- Wähle ich in meiner Arbeit ein Thema, das mich wirklich interessiert?
- Welche Aspekte des Themas interessieren mich besonders? Warum?
- Welche persönliche Beziehung habe ich zu diesem Thema?
- Hat mein Thema einen Bezug zu mindestens einem Fach aus dem Fächerkatalog?
- Haben sich bereits Lehrer bzw. Dozenten bereit erklärt, meine Arbeit zu diesem Thema zu betreuen?
- Existiert zu meinem Thema eine angemessene Fülle an Fachliteratur & Informationen?
- Soll meine Arbeit literaturzentriert ("theoretisch"; grundlegende Fragen; Mehrwert?) oder empirisch (eigene Erhebung & Interpretation von Daten; hohes Maß an Methodenkompetenz nötig) sein?
- Werde ich mein Thema arbeitsteilig in einer Gruppe bearbeiten?
- Wähle ich Gruppenmitglieder, mit denen ich bereits gern und erfolgreich zusammengearbeitet habe?
- Wie verteilen wir das Thema "gerecht" auf die Gruppenmitglieder und wie legen wir fest, wer für welche Teile verantwortlich ist?
- Welche Grundsätze und Spielregeln formulieren wir gemeinsam für unsere Gruppenarbeit (Häufigkeit & Termine der Gruppensitzungen, Sitzungsprotokolle, Entscheidung bei Konflikten,...)?
- Themenformulierung
- Lässt meine Themenformulierung einen zentral zu untersuchenden Inhalt erkennen (eine Problem- bzw. Fragestellung)?
- Weist die Themenformulierung bereits auf den "Mehrwert" ("Added Value") meiner Arbeit hin?
-> Die Wiedergabe einer Ansammlung bereits bekannter Daten & Informationen enthält noch keinen "Mehrwert"! - Habe ich mein Thema ehr etwas enger als weiter gefasst, um eine angemessene Tiefe zu erlangen und die Arbeit in relativ kurzer Zeit anfertigen zu können?
- Lässt meine Themenformulierung die Einbettung in einen übergeordneten Gesamtzusammenhang erkennen?
- Lässt meine Themenformulierung eine offensichtlich missverständliche Themeninterpretation durch die Prüfer und Betreuer zu (Anhaltspunkte über die relative Wichtigkeit einzelner Begriffe, inhaltliche Beziehung der Begriffe zueinander,...)?
2. Expose, Arbeitskonzept, Grobgliederung, PZM (Problemstellung- Ziel-Methode)
- Ziel ist eine Vorstrukturierung der schriftlichen Arbeit
- um frühzeitig mögliche Risiken bei der Arbeitserstellung zu erkennen und zu beseitigen.
- um den theoretischen Hintergrund und die Untersuchungsstrategie zu durchdenken.
- um schwerwiegende Fehleinschätzungen des Arbeitsaufwands auszuschließen.
- Verbindliche Eingrenzung und Spezifikation des Themas
- Wo liegen die Schwerpunkte der Themenbehandlung?
- Wie begründe ich, warum andere, evtl. zentrale Fragestellungen aus meiner Betrachtung ausgeschlossen wurden?
- Exakte Formulierung der der eigentlichen Fragestellung der Arbeit
- Weist das Thema eine klare Fragestellung auf?
- Habe ich, ausgehend von der übergeordneten Fragestellung, passende Fragen zu den Schwerpunkten & Teilthemen formuliert und habe ich diese in eine Wichtigkeitsrangfolge gebracht?
- Umfang mind. 3-5 DIN A4 Seiten
- Formaler Aufbau:
- Deckblatt:
- Titel bzw. Thema der Arbeit
- Name, Klasse, Anschrift, e-mail, Datum, Namen der betreuenden Lehrkräfte, beteiligte Fächer
- Textteil:
- Erläuterung der Problemstellung & Skizze der eigenen Vorkenntnisse
- Stand der Forschung zum Thema: Theoretischer Hintergrund und empirische Befunde
- Leitfragen bzw. Untersuchungsfragen & Zielsetzung
- voraussichtliche Ergebnisse & Lösungsansätze (Fazit) der Arbeit
- Methodisches Vorgehen, gegliedert nach Teilschritten des Lernprozesses: I. Sichten [Themenfindung, Gruppenbildung, Analysemethode, Materialbeschaffung, fächerübergreifende Darstellung, Informationsgehalt, ...] , II. Aufbereiten [Materialauswertung, Gliederungsentwurf, Sitzungsprotokolle, Manuskripterstellung, fachspezifische Arbeitsmittel, ...], III. Abspeichern [Endkorrektur, Ausdruck & Abgabe, Redemanuskript, ...], IV. Anwenden [Präsentation: Medieneinsatz, Kreativität, Strukturierung, Interaktion in der Gruppe, Reflexion, ...]
- benötigte Hilfsmittel
- Anhang:
- Arbeits- & Zeitplan zur Erstellung der Arbeit (Recherche, Auswahl, Auswertung, Strukturierung, differenzierte Gliederung, Manuskriptrohversion, Durchsicht, Überarbeitung, Endkorrektur, Präsentationsgestaltung, Puffer)
- vorläufiges, gegliedertes Inhaltverzeichnis
- Quellen- & Literaturverzeichnis
- Deckblatt:
3. Materialbeschaffung
- Quellen: WWW [Online-Lexika, Themenportale, Podcasts, Ebooks, Vorlesungsskripte, Vorlesungsvideos], Lehrbücher, Lexika, Wörterbücher, Experten [Interviews, Vorträge], Fachzeitschriften, Forschungsberichte, Sekundärliteratur, Exkursionen [Museen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen] ...
- Verarbeite ich eine ausreichende Anzahl an Literaturquellen?
- Nutze ich unterschiedliche Arten von Quellen?
- Verarbeite ich einschlägige Literaturquellen (Grundlagenwerke)?
- Will ich auch fremdsprachige Literaturquellen integrieren?
- Nutze ich aktuelle Literaturquellen?
- Habe ich nicht nur die offensichtlich unmittelbar verfügbaren Quellen (Schulbuch, Wikipedia, Encarta,...) verwendet?
4. Materialauswertung
- Wende ich gute Lesetechniken an und kläre ich bei jedem Text die Leseabsicht?
- Nutze ich regelmäßig gut organisierte Ablageformen [Ordner, Karteikarten, Mind-Maps, Linklisten, Schlagwortkartei, ...], PC [Datenbanksysteme, Wikis,...])?
- Erst auswählen, dann kopieren!
5. Sitzungsprotokolle
Inhalt der Sitzungsprotokolle:
- Thema, Gesprächsteilnehmer, Datum, Sitzungsdauer, Gegenstand des Gesprächs
- aufschließende und weiterführende Fragen
- verschiedene Auffassungen, verschiedene Standpunkte
- Hauptgesichtspunkte bei der Behandlung des Themas / Gegenstandes
- Teilergebnisse
- Situation bei Gesprächsschluss: Ergebnisse? offener Gesprächsstand? offene Fragen? Widerstreit?
II. Aufbereiten
1. Differenzierte Gliederung entwerfen (Teilthemen bestimmen & hierarchisch ordnen, Gliederungsstruktur festlegen)
Eine folgerichtige und logisch schlüssige Gliederung ermöglicht dem Leser einen schnellen Überblick über den Inhalt der Arbeit und erleichtert die Orientierung im Text.
- Anordnungsformen von Gliederungspunkten:
- Deduktive Abfolge (vom Allgemeinen [Theorie] zum Speziellen [Fallbeispiel])
- Induktive Abfolge (vom Speziellen [Praxisfall] zum Allgemeinen [Denkmodell])
- Dialektische Abfolge (These [Behauptung] -> Antithese [gegenüberstehende Behauptung] -> Synthese [allseits tragfähige Lösung])
- Chronologische Abfolge (Aspekte in der Reihenfolge ihres Eintrittszeitpunkte behandeln)
- Ist der inhaltliche Schwerpunkt bereits in der Gliederung bzw. im Inhaltsverzeichnis deutlich erkennbar?
- Weist jeder Gliederungspunkt einen deutlichen, erkennbaren Bezug zum Gesamtthema auf?
- Wird jeder angesprochene Themenbereich hinreichend detailliert behandelt und tritt jeder Themenbereich in der Gliederung auf?
- Nehmen Gliederungspunkte auf der gleichen Ebene sowohl logisch als auch inhaltlich den gleichen Rang ein?
- Habe ich die Überschriften der Gliederungspunkte so knapp wie möglich formuliert? Benutze ich möglichst wenige Füllwörter?
- Verwende ich in den Überschriften vorwiegend Hauptwörter (Bedeutungsträger!)?
- Beträgt die Gliederungstiefe mehr als 3 - 4 Ebenen?
2.Besprechung der differenzierten Gliederung mit Experten (Betreuer) -> Überarbeitung
- Formuliere ich knappe und prägnante Abschnittsüberschriften?
3. Erstellung der Manuskriptrohversion (incl. Tabellen, Abbildungen, Verzeichnissen)-> Besprechung
4. Editieren der Manuskriptrohversion nach formalen Gesichtspunkten:
- Formaler Aufbau:
- Titelblatt
- Herkunft der Arbeit [RS-Seelbach]
- Titel
- Funktion [FüK, FiP, GFS,...]
- Adressat der Arbeit [Fach, Klasse , Lehrer]
- Verfasser
- Termin der Ablieferung
- [Vorwort]
- Inhaltsverzeichnis (Dezimalgliederung nach DIN 1421)
- Verzeichnis der Abkürzungen (Formelzeichen,...)
- Einleitung
- Funktion: Kurzinformation & Orientierungshilfe für den Leser
- Kurzinformation: Einführung in das Thema, zentrale Frage- bzw. Problemstellung der Arbeit, Ziele, Entwicklung und Erläuterung des theoretischen Ansatzes, Formulierung & Ableitung der Hypothesen,...
- Orientierungshilfe: Überblick über die Teilthemen, Advanced Organizer,...
- Erläutere ich klar, anhand welcher Fragestellungen ich das Thema bearbeiten werde?
- Habe ich die Ziele, die ich mit meiner Arbeit erreichen möchte, klar formuliert?
- Habe ich mein Thema in einen übergeordneten Zusammenhang (Unterrichtsthema, Theorie, Weltbild, Werthaltung,...) eingeordnet?
- Habe ich den "Mehrwert" meiner Arbeit deutlich herausgestellt?
- Habe ich die Motivation, die mich zur Übernahme dieses Themas bewogen hat, verständlich geschildert?
- Habe ich den Gang der Untersuchung meines Themas ansprechend beschrieben, erläutert & visualisiert (Advanced Organizer)?
- Ist meine Einleitung länger als 10-15% des Textumfangs?
- Durchführungsteil / Hauptteil
- Zeichnet sich meine Gedankenfolge durch eine Zwangsläufigkeit aus?
- Beziehen sich alle Bestandteile des Hauptteils klar und eindeutig auf das Thema meiner Arbeit?
- Habe ich die Übergänge zwischen den einzelnen Elementen des Hauptteils sorgfältig formuliert, so dass dem Leser die innewohnende Logik meiner Arbeit klar wird?
- Steht das eigentliche Ziel und die eigentliche Fragestellung meiner Arbeit eindeutig im Mittelpunkt der Abhandlung?
- Habe ich den fächerübergreifenden (interdisziplinären) Anspruch meiner Arbeit ausreichend beachtet?
- Nutze ich typische Darstellungsformen & Untersuchungsmethoden der beteiligten Fächer?
- Verwende ich strukturbildende Elemente wie Absätze, Hervorhebungsmittel (fett, kursiv, Großbuchstaben,...), Einrückungen, Spiegelstriche,...?
- [Zusammenfassender Schlussteil, Auswertung, Ausblick]
- Welche (neuen) Ergebnisse, Interpretationen, Schlussfolgerungen liefert die im Hauptteil beschriebene Auseinandersetzung mit meinem Thema?
- Wie lassen sich meine Ergebnisse in einen Gesamtzusammenhang einordnen? Welche Implikationen ergeben sich dadurch für die Praxis und die weitere Forschung?
- Wo liegen die Grenzen meiner Untersuchung?
- Literaturverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- [Ergänzende Materialien: Anhänge, Exkurse, Tabellen, Dokumentationen, Bild- & Übersichtstafeln]
- Namen- und/oder Sachverzeichnis
- Titelblatt
- Darstellungsweise
- Perspektive
- Layout
- Seitenrand, Typographie, Seitenzählung, Hervorhebungen, ...
- ..
5. Editieren der Manuskriptrohversion nach wissenschaftlichen Standards
- Begrifflichkeiten
- Logik, Stringenz, Konsistenz
- Vollständigkeit
- Überleitungen
- Anmerkungen
- Metaphern
- Quellenangaben: Urheberrecht, Zitate, Fußnoten,
- Abbildungsnachweise, Quellenverzeichnis (Literatur, Abbildungen)
6. Editieren der Manuskriptrohversion nach sprachlichen Gesichtspunkten
- Satzbau
- Ausdruck
- Rechtschreibung, Interpunktion
7. Endkorrektur
- Habe ich und eine weitere Person meine Arbeit korrekturgelesen?
- Habe ich nach grammatikalischen und Rechtschreibfehlern gesucht, sowie Zitate und Quellen überprüft?
III. Abspeichern
- Endausdruck
- Abgabe der schriftlichen Arbeit
- Eidesstattliche Erklärung
Ich erkläre hiermit [an Eides Statt], dass ich die vorliegende Arbeit mit dem Titel "..." selbständig und ohne Benutzung anderer als der angegebenen Hilfsmittel angefertigt habe. Die aus fremden Quellen direkt oder indirekt
übernommenen Gedanken sind als solche kenntlich gemacht. Diese Arbeit wurde bisher weder in gleicher noch in ähnlicher Form einer anderen Prüfungsbehörde vorgelegt und auch noch nicht veröffentlicht. Mir ist bewusst, dass eine falsche Erklärung rechtliche Folgen haben wird.
eigenhändige Unterschrift [Ort und Datum, Name mit Tinte oder dokumentenechtem Kugelschreiber]
- Eidesstattliche Erklärung
IV. Anwenden
- Präsentation der Arbeit -> siehe
Präsentieren
Quellen
- Stickel-Wolf, Christine; Wolf, Joachim: Wissenschaftliches Arbeiten und Lerntechniken. 2. Aufl.. Wiesbaden: Gabler Verlag 2002
- Charbel, Ariane: Schnell und einfach zur Diplomarbeit. Der praktische Ratgeber für Studenten. 6. Aufl.. Nürnberg: BW Bildung und Wissen Verlag 2007. ISBN: 978-3-8214-7677-3
