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Eigenverantwortliche Schule – Rahmenbedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten

Dietrich Berger, Realschulrektor

Beitrag zum Forum der CDU-Landtagsfraktion am 15. November 2008 Innovative Konzepte für mehr Unterrichtsqualität – Wir machen Schule besser!

Arbeitsgruppe 2: Eigenverantwortliche Schule – Rahmenbedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten

Zitate:
Landesverfassung und Schulgesetz – In allen Schulen waltet der Geist der Duldsamkeit und der sozialen Ethik (Art. 17) Die Schule hat auf die Mannigfaltigkeit der Lebensaufgaben und auf die Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt mit ihren unterschiedlichen Aufgaben und Entwicklungen vorzubereiten (SchG § 1, 2)

Emanuel Geibel (1815-1884): Nicht zu früh mit der Kunst buntscheckigen Wissens, ihr Lehrer, nährt den Knaben mir auf; selten gedeiht er davon. Kräftigt und übt ihm den Geist an wenigen, würdigen Stoffen; euer Beruf ist erfüllt, wenn er zu lernen gelernt.

Walter Gropius: Wir müssen der Jugend mehr Gelegenheit geben, während ihrer Ausbildungszeit persönliche Erfahrungen zu machen. Nur wenn wir sie selbst Tatsachen finden lassen, kann Wissen zur Weisheit werden.

Emanuel Geibel: Lehr’ nur die Jungen weisheitsvoll, wirst ihnen keinen Irrtum sparen. Was ihnen gründlich helfen soll, das müssen sie eben selbst erfahren.

Aus der Sicht eines Verantwortung tragenden Pädagogen hat der Begriff der Eigenverantwortung eigentlich schon immer eine Bedeutung in seiner Bildungs- und Erziehungsarbeit gehabt, vor allem auch unter der Berücksichtigung der in der Landesverfassung und dem Schulgesetz festgeschriebenen Postulate.

Bedingt durch den Paradigmenwechsel des Bildungsplanes 2004 wurde (hoffentlich) bei uns allen diese Eigenverantwortung deutlicher und der „Rückzug“ auf die vermeintlich bislang geltenden Rahmenbedingungen konnte nicht mehr als Grund dafür gelten, mehr aus dem Bildungs- und Erziehungsauftrag zu machen, als man als Auftrag nach dem Grundgesetz herauslesen wollte.

Viele Schulen haben eben auch schon vor 2004 auf den Weg und aus der schulischen Arbeit mehr gemacht, als die fachbezogenen Bildungspläne vorgegeben haben. Die Freiheiten an den Schulen sind gewachsen, damit aber auch die Verantwortung für das tägliche Tun. Das Wissen darum, dass der Bildungsplan 1994 schon vorsah, dass nur 30 Unterrichtswochen mit der Umsetzung der durch den Bildungsplan vorgesehenen Inhalte verwendet werden, 10 Wochen für schulspezifische Aufgabenfelder vorgesehen sind, hat nicht überall dazu geführt, dass man die Umsetzung so vorgenommen hat, wie sie von den Bildungsplanexperten gedacht waren. Als Mitglied einer Bildungsplankommission 1994 war es mir ein Anliegen, Vorgaben des Bildungsplanes mit regionalen Möglichkeiten eng zu verknüpfen, was sicherlich nicht in allen Fächern so umzusetzen war, wie es gedacht wurde. Mit dem Bildungsplan 2004 sind diese Freiräume gewaltig erweitert worden – und die sogenannte Stoffreduktion musste dazu führen, dass die Schulen diese zusätzlich gegebene Freiheit noch stärker eigenverantwortlich nutzte, als sie dies eigentlich schon immer tun sollte.

Lassen Sie mich einige Gedanken zu der Fragestellung dieses Arbeitskreises für meine Schule Ihnen erläutern: Die Realschule Seelbach versteht sich weder als Modellschule noch als eine Musterschule. Im Jahre 1971 ging unsere Schule aus dem Mittelschulzug der Volksschule Seelbach hervor und wurde eine eigenständige Realschule – räumlich unter einem Dach mit der Grund- und Hauptschule Seelbach. Unsere Schule ist keine Verbundschule; unser gemeinsamer Schulname lautet seit dieser Zeit: Kooperatives Bildungszentrum – also Zusammenarbeit auf möglichst vielen Gebieten und Wahrung der Eigenständigkeit. Ich bin kein Freund von Rankinglisten oder Wettbewerbsindikatoren – Schule ist kein Betrieb, der im wirtschaftlichen Sinne produziert, denn unser – lassen Sie es mich so sagen – Produktionsfaktor ist der junge Mensch, der den Anspruch haben darf, nach seine Begabungen und Fähigkeiten eine Entwicklung zu erfahren, die aus ihm einen mündigen und selbstverantwortlichen Menschen macht. Dazu braucht er ein ihm gegenüber verantwortliches Elternhaus und eine ihm gegenüberverantwortliche Schule und vor allem die Gewissheit, dass diese beiden Institutionen vertrauensvoll und zielorientiert zusammenarbeiten. Aus einer zunächst einzügigen wurde bald eine zweizügige Realschule, 1978 eine dreizügige mit nahezu 500 Schüler/innen. Seelbach liegt im Schuttertal, einer landschaftlich schönen Region südöstlich der Großen Kreisstadt Lahr mit drei allgemeinbildenden Gymnasien und einer Realschule. Die Arbeit an der Realschule Seelbach – unsere Gemeinde hat ca. …. Einwohner, die zu unserem direkten Einzugsgebiet gehörende Nachbargemeinde Schuttertal hat ca. …. Einwohner – führte bald dazu, dass wir auch Schüler aus den beiden östlichen Stadtteilen von Lahr bekamen. Bedingt durch den schon damals erkennbaren demografischen Faktor rutschte die Schülerzahl 1996 unter 300 und wir hatten 12 Klassen. In diesem Schuljahr haben wir 392 Schüler/innen, 15 Klassen und 27 Lehrkräfte; der Anteil der Schüler/innen mit Gymnasialempfehlung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt nun bei rund einem Drittel unserer Schüler/innen. Der Übergang auf weiterführende Schulen und berufliche Gymnasien nach der 10. Klasse war am Ende des letzten Schuljahres bei rund 55. %. Vorteilhaft für unsere Schulsituation ist die Durchlässigkeit innerhalb des gegliederten Schulsystems, was der jeweiligen Entwicklungsmöglichkeit der Schüler/innen gerecht wird. So können Realschüler/innen, die sich überfordert fühlen, ohne große Probleme in die Hauptschule innerhalb des gleichen Gebäudes wechseln wie auch Hauptschüler mit der entsprechenden Bildungsempfehlung zu uns kommen. Die Möglichkeit in unserer Region nach der 6. Klasse der Realschule in das in Lahr als Aufbaugymnasium firmierende Clara-Schumann-Gymnasium zu wechseln, ermöglicht es, besonders guten Schüler/innen ihre Schulkarriere schon sehr früh zu ändern. Wir haben bei uns den Brückenunterricht Französisch für die Klassen 5 verbindlich eingeführt – d. h. alle Schüler/innen haben in der 5. Klasse 2 Stunden Französisch – und in der 6. Klasse wird der Brückenunterricht fortgesetzt, wenn die Eltern dies wünschen, wobei wir feststellen, dass der Anteil derjenigen, die Französisch weitermachen, bei knapp 90 % liegt. Vielleicht liegt dies auch einer sehr aktiven Schulpartnerschaft, die wir mit dem Collège im elsässischen Rosheim seit nunmehr 20 Jahren pflegen und die ein fester Bestandteil unseres Schulprogramms ist. Eigenverantwortlichkeit bedingt ein für die Schule verbindliches Programm, das sich nicht in geschriebenem Papier kundtun sollte, sondern in täglichem gelebtem Handeln und Mitgestalten. Ein Leitbild sollte den Handlungsrahmen umschreiben, wohl wissend, dass nicht alles ständig nachvollziehbar immer stattfindet. Zwei Begriffe gehören zu unseren Gestaltungsmöglichkeiten: Nachhaltigkeit und Prävention. Darauf ausgerichtet sind bei uns Konzeptionen in der Umsetzung der Themenorientierten Projekte. Lassen Sie mich dies an drei Beispielen exemplarisch erläutern: TOP SE – Soziales Engagement: Wir haben dieses Projekt mit verschiedenen Facetten inhaltlich gestaltet -> es gibt in allen Schuljahren die bei uns so genannten SE-Punkte, die gesammelt werden und bei der Notenbildung am Ende des 9. Schuljahres ihren „Umtausch“ finden. Erwerben kann man diese Punkte u. a. bei allen Aktionen, in denen sich Schüler/innen aktiv in die Zusammenarbeit zwischen der Schule und der Gemeinde einbringen, z. B. beim Katharinenmarkt, jenem zentralen Ereignis der Gemeinde, das mit einem historischen Auftakt beginnt und mit einem historischen Umzug seinen Höhepunkt findet. Ohne Schüler/innen wäre dies nicht möglich, sind doch beim Auftakt rund 150 Schüler/innen in zahlreichen Rollen mit dabei, wird der Umzug zusammen mit der Grund- und Hauptschule von nahezu 600 Schüler/innen getragen. Volkstrauertag, Weihnachtsaktionen im Alten- und Pflegeheim, Seniorennachmittage, Dorffeste, Unterstützung der Vereinsarbeit – immer sind Schüler/innen mit dabei. Schon im 5. Jahr läuft ein Medienprojekt zwischen der Fachhochschule Kehl, der Gemeinde Seelbach und der Realschule mit dem Namen „Seelbach-TV“. Schüler/innen übertragen inzwischen eigenständig Gemeinderatssitzung live ins Internet und sind verantwortlich sowohl für eine klare Bildführung und einen guten Ton als auch für die Mischpultarbeit und die Archivierung. Die Losung bei uns heißt hierzu: Wir sind eine gemeindefreundliche Schule, auch deshalb, weil wir eine schulfreundliche Gemeinde haben mit einem Bürgermeister, einer Verwaltung und einem Gemeinderat, für die die Schulen eine Priorität haben. Die aktive Mitwirkung von Schüler/innen in Vereinen gehört ebenso zum TOP SE wie diverse Praktika in sozialen Einrichtungen, wobei es nicht immer einfach ist, genügend Praktikumsplätze zu finden, vor allem auch deshalb, weil die Schulstandorte und das Bemühen nahezu aller Schulen um solche Plätze in unserer Region dicht beieinander sind. Auch unsere seit mehreren Jahren schon bestehende Arbeitsgemeinschaft „Schulsanitäter“ zeigt deutlich, mit welchem Einsatz Schüler/innen sich einer Aufgabe widmen, in der sie uneigennützig für andere da sind. Inzwischen tragen unsere Schüler/innen dazu bei, dieses Konzept anderen Schulen nachvollziehbar vorzustellen. Die Zusammenarbeit mit dem DRK ist hier von großer Bedeutung. TOP BORS – Berufsorientierung an der Realschule. Früher konzentrierte sich dieses Projekt auf die 9. Klasse, inzwischen beginnen wir mit einer Hinführung zu einer der wesentlichsten Aufgaben unserer arbeitsteiligen Gesellschaft schon in Klasse 5. Alle Unterrichtsfächer haben die Aufgabe, bestimmte Inhalte den Schüler/innen vernetzt darzustellen und dafür Sorge zu tragen, dass im BORS-Ordner hier etwas sich entwickelt, auf das man später immer zurückgreifen kann. Dass dies nicht immer so erfolgreich ist, wie man es sich vorstellt, ist nachvollziehbar, aber es muss auch klar sein, dass pädagogisches Arbeiten immer eine Langzeitwirkung haben soll/kann.

Die Zusammenarbeit mit Betrieben sowohl in wirtschaftlich schwierigen wie in gut laufenden Phasen ist ein stetes Anliegen und zahlreiche Projekte mit IHK und Handwerkskammer sind auf den Weg gebracht. In diesem Schuljahr haben wir ein Projekt unter dem Titel „Schülerfirma Statistik/Marktforschung“, das mit der Unterstützung der Fachhochschule Offenburg umgesetzt wird Gleichzeitig läuft das Modell „Wirtschaftsführerschein für Realschüler“ an und begleitend ein betriebliches Kooperationsmodell „Berufe & Co“ mit Präsentationen bei regionalen Ausstellungen/Messen Die Unterstützung, die wir durch unser Amt für Schule und Bildung erfahren, erleichtert es, weitergehende Kontakte zu knüpfen. Unsere Schule ist seit vielen Jahren in die Förderung besonders befähigter Schüler/innen eingebunden. Hier haben wir schwerpunktmäßig im Modul Biologie des Fächerverbundes NWA mit Schüler/innen anerkannte Arbeit geleistet: Für unsere Gemeinde wurden Nachhaltigkeitsindikatoren entwickelt, die sich auf unsere Umwelt und unsere Siedlungsökologie beziehen, die mit der Anlage von Teichen außerhalb des Schulgeländes, mit dem Anlegen eines Naturlehrpfades und der Zusammenarbeit mit der Naturschutzbundjugend als einem außerschulischen Träger beziehen. Ökomobil und Waldmobil sind regelmäßig Gast bei uns und eröffnen den Schüler/innen einen Zugang zur Natur, der über den reinen Unterricht hinausgeht. In der Verknüpfung von Deutschunterricht und Geschichtsunterricht und in Zusammenarbeit mit unserer französischen Schulpartnergemeinde haben wir Burgenführer für Schulklassen am Oberrhein, Kleinwörterbücher für erste deutsch-französische Begegnungen, deutsch-französische Literaturvergleiche im Bereich von Fabeln und Märchen erstellt, wobei uns die Vorstellung unserer Arbeit zusammen mit anderen beim südbadischen Schulpräsidenten 2007 auch Anerkennung und Würdigung einbrachte.

Im Bereich der Prävention arbeiten wir sehr eng zusammen sowohl mit der Drogenberatungsstelle des LRA wie auch mit dem Drogenberatungszentrum in Lahr, mit den Präventionsbeamten der Polizei und anderen außerschulischen Träger; Informationsveranstaltungen und Gesprächskreise sollen hier dazu beitragen, dass nicht nur immer reagiert werden kann, sondern dass wir auch agieren können. Wir erfahren hier eine sehr gute Zusammenarbeit auch mit der Elternschaft und dem Schulförderverein, der die teilweise notwendige finanzielle Unterstützung gewährt.

Wenn wir an die Rahmenbedingungen denken, so darf festgestellt werden, dass diese recht gut sind, wenn man sich natürlich auch immer wünscht, sie könnten noch besser sein. Zur eigenverantwortlichen Schule gehören in unserer Gesellschaft natürlich finanzielle Grundlagen: Unsere Gemeinde stellt uns im Rahmen der Budgetierung 29 % der Mittel aus dem Sachkostenbeitrag des Landes zur Verfügung und schafft damit das Fundament für ein eigenverantwortliches Umgehen mit Haushaltsmitteln; Eltern sind immer wieder bereit, sich mit maßvollen Zuschüssen an außerunterrichtlichen Veranstaltungen zu beteiligen, der Förderverein versteht es, Spenden einzusammeln und damit unsere Arbeit ebenfalls zu fördern.

Wichtiger wird die Möglichkeit für Schulen, jene Lehrkräfte zu bekommen, mit denen man Schulprofile und Schulprogramme gezielt weiterentwickeln kann. Hier haben die seit einigen Jahren geschaffenen Möglichkeiten der sogenannten schulscharfen Stellenausschreibungen Optionen eröffnet, die unbedingt ausgebaut werden müssen, auch wenn für die Schulen diese Möglichkeit der Lehrkräfteaquisition sehr zeitaufwändig ist und eine gestärkte Schulung der Bewerberkommissionen bedingt, denn hier sind doch auch viele rechtliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Man findet aber doch eher die Lehrkräfte, die vielleicht zu einem passen als durch die übliche Zuweisung, die in dem einen oder anderen Falle kritisch zu sehen ist. Wenn es gelingen könnte, hier eine Art von Quote zu ermöglichen, wäre das für die Weiterentwicklung der eigenverantwortlichen Schule hilfreich.

Das Zusammenwirken aller mit dem täglichen Schulleben Verbundenen im Sinne der Kooperation und über das Einzelinteresse hinausgehende Denken lässt Schulen ihre Aufgaben zum Wohle der ihnen anvertrauten jungen Menschen weiterkommen. Regelmäßige Gespräche zwischen Schulleitung und Elternvertretung, zwischen Schulleitung und Schülermitverantwortung, Einrichten von runden Tischen zur Vorbesprechung und Klärung zukunftsweisender Konzepte, aber auch zum Unterbringen unterschiedlicher Ansätze in einem für alle vertretbaren Gesamtkonzept sind möglich und sollten genutzt werden, ohne die funktionstypischen Aufgaben in Frage zu stellen. Unterschiedliche Wahrnehmungen sind nicht nur ein kritischer Punkt im Zusammenwirken von Menschen, die miteinander zu tun haben, sondern auch Chance der Weiterentwicklung. Wichtig bleibt bei allem aber die Bereitschaft, sich einzubringen und nicht nur stets Wünsche oder Forderungen zu formulieren, die dann von der jeweils anderen Seite zu erfüllen sind. Und eine Schule kann immer nur so gut sein wie diejenigen, die mit ihr zu tun haben: Schüler/innen – Eltern – Lehrer/innen – Schulträger – Schulpartner ...

Einsatzbereitschaft und Einsatzfreude brauchen Unterstützung, sowohl ideeller wie materieller Art. Offen sein für neue, für andere Ideen prägt eine Schulentwicklung und eröffnet Perspektiven. Es sind nicht nur junge Lehrkräfte, die hier etwas bewirken und es sind nicht nur ältere Lehrkräfte, die hier Zurückhaltung üben. Deshalb ist auch die Entwicklung von Konferenzkulturen vorrangig.

Wenn man sich wünscht, dass Schule eine Ganztageseinrichtung werden soll, muss man Voraussetzungen dafür schaffen, die über das gemeinsame Mittagessen hinausgehen. Hier tut sich ein großer Acker auf, die in den nächsten Jahren bearbeitet werden muss. Lehrkräfte brauchen dazu in den Schulen Arbeitsplätze – nicht Großraumlehrerzimmer, sondern kleine Einheiten, die sowohl dem einzelnen wie dem Team Möglichkeiten eröffnen, die „Hausaufgaben“ zu erledigen. Investitionen in die Bildung sind nicht nur mit Humankapital verbunden, sondern auch mit ganz normalen Umgebungsfeldern. Das häusliche Arbeitszimmer schafft nach wie vor den Raum für Korrekturen und Nutzung eigener ideeller Ressourcen. Nicht jeder Finanzbeamte kann nachvollziehen, warum die Werbungskosten von Lehrkräften so hoch sind, wo doch der Schulträger für die sächlichen Mittel zuständig sei. Jede Kommune wäre überfordert, wenn sie diese Bedürfnisse aus der pädagogischen Verantwortung jeder einzelnen Lehrkraft auch noch befriedigen müsste.

Wenn Schule sich auf dem Weg befindet, braucht sie Rückmeldungen. Das Instrument der Evaluation ist sicherlich ein solches, auch wenn es – wie immer bei etwas Neuem – zunächst Befürchtungen, manchmal sogar Ängste, immer jedoch Unruhe bewirkt.

Wir haben uns bereits mit dem Schuljahr 2002/2003 selbstkritisch mit dem befasst, was wir mit auf den Weg gebracht haben. Begonnen haben wir mit einem Konzept, das die Grund- und Hauptschule und die Realschule initiiert haben – die Umsetzung des FORD-Programms bzw. bei uns des Trainingsraumkonzepts. Fortgesetzt haben wir es mit einer Evaluation unseres Methodenzirkels KUhl (Kompetenz Unterricht hilft lernen). Im darauf folgenden Jahr ging es um das Theaterspiel an unserer Schule, dann folgte die Auswertung der DVA und der Einsatz des von der Bertelsmann-Stiftung mit betreuten Projekts SEIS (SelbstEvaluation in Schulen); die Projekttage vor dem Schulfest 2007/2008 waren die letzte Selbstevaluation; gegenwärtig haben wir als Thema unsere Unterrichtsarbeit. Eine Art von Fremdevaluation haben wir bereits im Jahre 2004 gehabt, als wir uns einer Evaluation des Instituts für interdisziplinäre Forschung der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg stellten. Dabei wurde das Konzept der Nachhaltigkeit an ökologischen (Abfall, Klimaschutz, Ressourcenumgang, Mobilität, Artenvielfalt in und um die Schule) und sozialen (Schulklima, Kulturelles Angebot, Ernährung, Gesundheit, Gewaltpotential) Indikatoren reflektiert. Im letzten Jahr wirkten wir an einer Studie der Pädagogischen Hochschule Freiburg mit, die unter dem Aspekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung an weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg“ stand. Die Ergebnisse auch unserer Schule haben deutlich gemacht, welche Unterstützungssysteme auch für unsere Schule zukünftig gewünscht werden.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Beteiligung an Studien und Projekten zwar auf der einen Seite mit einem hohen zeitlichen und auch personalen Aufwand verbunden ist, dass die Auswertungen und Ergebnisse aber auch zeigen, wo Handlungsbedarf besteht, wo auf dem eingeschlagenen Weg weitergearbeitet werden kann und wo sich einer verändernden Entwicklung Perspektiven für die schulische Arbeit ergeben.

Schulen sind wohl alle auf ihrem Weg – und auf diesem Weg gibt es immer wieder Barrieren, die zu überwinden sind. Oft sind links und rechts des Weges Grenzen gezogen. Wir wissen, dass wir an ein echtes Ziel nicht kommen können und besser auch nicht sollen, denn oft bleibt man mit dem Erreichen des Ziels stehen. Immer wieder einen Schritt weiter – aber niemanden dabei überfordern, weder die Schüler/innen noch die Eltern noch die Lehrkräfte. Erschöpfungserscheinungen wird es immer wieder geben – deshalb haben Ferien einen wichtigen Stellenwert; ich nenne manche Ferienabschnitte unterrichtsfreie Zeit, denn sie ermöglichen mir kurzfristig das Alltagsgeschäft zurückzustellen und wieder perspektivisch zu denken. Und diese Rahmenbedingung ermöglicht mehr Weiterkommen auf dem Weg in eine Zukunft, die Illusionen ermöglicht auf dem Weg der Realität.